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Steuer 2011 - Neues und die besten Tipps , Teil 1

Das neue Jahr bringt steuerlich vielerlei punktuelle Belastungen und Lästigkeiten aber doch auch einige erfreuliche Verbesserungen.Lesen Sie in unserer zweiteiligen Artikelserie was besser wird, was schlechter wird, wer wovon wie profitiert und welche Tipps und Schlupflöcher Ihnen 2011 noch nützen können

TEIL I:
WAS BESSER WIRD UND WER DAVON PROFITIERT

Zu den good News 2011 gehören:

 1. Fall der Kreditsteuer,
 2. Anhebung des Pendlerpauschales / steuerfreies "Job-Ticket",
 3. "Internationalisierung" des Sonderausgabenabzuges,
 4. Anhebung der Zuverdienstgrenze für die Familienbeihilfe,
 5. Bessere Verlustverwertung bei Vermietungstätigkeit,
 6. Anhebung der Forschungsprämie von 8% auf 10%,
 7. Erleichterungen bei den umsatzsteuerlichen Erklärungspflichten,
 8. Verlängerung der Frist für Vorsteuerrückerstattung
     aus dem Ausland,
 9. Weitere Verlängerung der Zulässigkeit von Faxrechnungen,
10. Anspruch auf eine verbindliche Rechtsauskunft (Advance Ruling),
11. Käufliche Straffreiheit bei Steuerprüfungen,
12. Erleichterungen und Klarstellungen für
      strafbefreiende Selbstanzeigen. 

Also Kopf hoch! Entgegen der derzeitigen Pressestimmung wird das Jahr 2011 zum Glück nicht nur das Jahr der steuerlichen Belastungen. Immerhin gibt es aus steuerlicher Sicht 2011 zumindest auch die obigen Pluspunkte. Im folgenden zeigen wir Ihnen, wer von diese Pluspunkte profitiert und wie Sie diese nutzen können:

WER PROFITIERT WIE UND WOVON?
Neugründer, Häuslbauer, Investitionsfreudige
und "aktive Altschuldner"

Bisher musst man bei der Neuaufnahme von Schulden und auch bei bestimmten Änderungen bestehender Verträge (z.B. Laufzeitänderungen) 0,8 % von der Vertragssumme an das Finanzamt abführen. Damit ist nun Schluss.
Je nach Kredithöhe können so locker hunderte bis tausende Euros eingespart werden. Das bringt vor allem für Neugründer, Häuselbauer und generell für alle künftigen fremdfinanzierten Investments Kostenvorteile. Aber auch für "alte" Schuldner kann der Fall der Kreditsteuer noch interessant werden. So können all jene, die vorhaben bald fällige Fremdwährungskredite mit derzeitigen Währungskursverlusten in der Hoffnung auf bessere Zeiten zu verlängern, dies jetzt wesentlich kostengünstiger bewerkstelligen als noch vor ein paar Wochen.

Häuslbauer mit Hauptwohnsitz außerhalb Österreich können sich zudem über die "Internationalisierung" von steuerlich abzugsfähigen Sonderausgaben freuen. Konkret wurde der Abzug für Wohnraumschaffung und -sanierung auf den EU- und EWR-Raum erweitert. Ebenso sind ab der Veranlagung 2011 auch Beiträge an Kirchen und Religionsgemeinschaften aus dem gesamten EU- und EWR-Raum abzugsfähig, wenn es sich um im Inland gesetzlich anerkannte Institutionen handelt.

Pendler
All jenen, denen auch schon bisher das Pendlerpauschale zustand, dürfen sich 2011 über eine Erhöhung von ca. 10 % freuen. Das sind bis zu € 300,- pro Jahr. Dienstnehmer, denen ein Steuerabzugsposten nichts bringt, da auf Grund ihres geringen Einkommens ohnehin keine Lohnsteuer anfällt, bekommen einen Pendlerzuschlag ausbezahlt. Auch dieser wurde mit 1.1.2011 von bisher maximal €130,- auf nunmehr bis zu € 251,- erhöht. Als Alternative zum Pendlerpauschale kann der Arbeitgeber seit Anfang des Jahres auch die Kosten für ein Massenbeförderungsmittel (Bus, Zug etc.) zur Arbeitsstätte übernehmen, ohne dass es für den Dienstnehmer zu einem steuerpflichtigen Sachbezug kommt. Tipp: Hier kann es für beide Teile lohnend sein, statt einer Bruttogehaltserhöhung die Übernahme der Fahrtkosten zu vereinbaren. Dabei muss die Zahlung direkt an das Transportunternehmen erfolgen, welches sodann eine spezielles "Jobticket" ausstellt.

Familien
Obgleich die im TEIL II dieser Artikelserie noch zu behandelnden Verschlechterungen bei der Familienbeihilfe insgesamt eher traurig und beschämend anmuten, gibt es doch auch etwas positives zu vermelden:
Die Zuverdienstgrenze für den Anspruch auf Familienbeihilfe wurde von bisher € 9.000,- auf € 10.000,- angehoben. Somit kann der Nachwuchs nunmehr immerhin satte € 10.000,- dazuverdienen, ohne dass sein Fleiß mit der Streichung der Familienbeihilfe sanktioniert wird.

Tipp: Besonders wichtig bleibt es aber weiterhin, trotz aller Argumente für Ferialjobs den Ausbildungserfolg im Auge zu behalten.
Gelingt es Studierenden z.B. nicht, den ersten Studienabschnitt innerhalb der dafür vorgesehenen Mindeststudiendauer zuzüglich eines Toleranzsemesters erfolgreich abzuschließen, so ist die Familienbeihilfe bis zum tatsächlichen Abschluss des ersten Studienabschnittes zur Gänze verloren. Unter diesem Aspekt kann es mitunter sinnvoller sein, die Ferienzeit zur Vorbereitung eventuell noch fehlender Prüfungen zu nutzen und das „echte Arbeiten“ vorerst noch sein zu lassen.

Vermieter
Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung gehören so wie Kapitalerträge und Gehalts- und Lohneinkünfte zu den so genannten außerbetrieblichen Einkunftsarten. Bei diesen außerbetrieblichen Einkunftsarten ist es per Gesetz, anders als bei betrieblichen Einkünften, nicht möglich Verluste aus Vorjahren vom Ergebnis des laufenden Jahres steuerlich in Abzug zu bringen.
Hier hat der Verfassungsgerichtshof (VfGH) in einem kürzlich ergangenen Urteil auf Gleichheitswidrigkeit erkannt. Als ersten Versuch dies zu reparieren, wurde nun die Möglichkeit, bestimmte außergewöhnliche Aufwendungen im Vermietungsbereich auf zehn Jahre zu verteilen, auf weitere Positionen erweitert. Damit wird es in Hinkunft so manchem Vermieter möglich sein, nicht vortragsfähige Jahresverluste in steuerlich wirksame "Mehrjahresaufwendungen" zu verwandeln. Dass damit allerdings jegliche Verfassungswidrigkeit bzw. Ungleichbehandlung beseitigt wurde, darf angezweifelt werden.

Forschende
Für Forschungsaufwendungen konnte bisher unter bestimmten Bedingungen entweder eine Forschungsfreibetrag als fiktiver Aufwand zusätzlich von der Steuer in Abzug gebracht werden oder eine Prämie in Höhe von 8% der korrespondierenden Aufwendungen kassiert werden. Mit 1.1.2011 gibt es keine Freibeträge mehr, jedoch wurde die Prämie auf 10% erhöht. Dieser Punkt geht an gewinnschwächere Unternehmen, bei denen der Prämienbetrag deutlich mehr ausmacht als eine etwaige Steuerersparnis aus einem fiktiven Absetzposten sowie an Kapitalgesellschaften, die bisher bei Inanspruchnahme des Freibetrages eine maximale Steuerersparnis in Höhe von 8,75% der begünstigen Aufwendungen erzielen konnten.

Unternehmer mit einem Jahresumsatz bis zu € 100.000,-
Bis zu einem Umsatz von € 30.000,- war die Umsatzsteuer schon bisher erst bis zum 15. des zweitfolgenden Monats nach Quartalsende (ansonsten Monatsende) fällig. Dies ist jetzt für Umsätze von bis zu € 100.000,- möglich.

 
Unternehmer mit einem Jahresumsatz bis zu € 30.000
Bis zu dieser Grenze ist weiterhin keine Umsatzsteuervoranmeldung und bei der Inanspruchnahme der Umsatzsteuerbefreiung für Kleinunternehmer ab 2011 auch keine Jahreserklärung mehr einzureichen. Bisher mussten bei einem Umsatz von mehr als € 7.500,- trotz Umsatzsteuerbefreiung eine Umsatzsteuererklärung (Nullerklärung) abgegeben werden. Hier können nun unnütze Verwaltungs- und Beratungskosten für die Erstellung einer Nullerklärung eingespart werden.

Bezieher von Vorleistungen aus dem Ausland
...können sich bestimmte im Ausland bezahlte Vorsteuern rückerstatten lassen. Dies ist ab dem Veranlagungsjahr 2009 elektronisch zu beantragen. Für 2009 hätte dies bereits bis spätestens 30.9.2010 erfolgen müssen. Da einige EU-Mitgliedstaaten mit der praktischen Durchführung des Verfahrens Schwierigkeiten hatten, wurde diese Frist nun bis zum 31.3.2011 verlängert. Damit haben all jene, die bereits glaubten hier etwas versäumt zu haben, erneut die Chance auf Vorsteuerrückerstattungen aus dem Ausland bis zurück in das Jahr 2009.

Rechnungsfaxer
Gefaxte Rechnungen berechtigen nur Dank einer expliziten zeitlich befristeten Ausnahmeregelung zum Vorsteuerabzug. Diese befristete Ausnahme wurde nun in den Umsatzsteuerrichtlinien wiederum festgeschrieben und verlängert. So darf auch noch 2011 umsatzsteuerlich bedenkenlos weiter gefaxt werden. Das gilt nicht für gemailte pdf-Rechnungen! Diesen bleibt der Vorsteuerabzug nach wie vor versagt.

Kreative, Wagemutige & Exoten, die Großes vorhaben
Seit Beginn des Jahres ist es möglich auf Rechtsfragen im Zusammenhang mit Umgründungen, Unternehmensgruppen und Verrechnungspreisen eine verbindliche Rechtsauskunft vom zuständigen Finanzamt zu erhalten. Allerdings ist das so genannte "Advance Ruling" nicht ganz billig und ist an die Einhaltung einer Reihe strenger Voraussetzungen geknüpft. Je nach Umsatz des betreffenden Unternehmens kostet ein solcher Auskunftsbescheid zwischen € 1.000,- bis € 20.000,-. Selbst bei Zurückweisen des Auskunftsantrages werden € 500,- in Rechnung gestellt. Tipp: Für ein gutes Gelingen empfehlen wir Ihnen daher unbedingt Ihren Steuerberater einzuschalten.

Strafgefährdete
Kommt es anlässlich einer Betriebsprüfung zu Nachforderungen, die möglicherweise auf ein Finanzvergehen zurückzuführen sind, so kann für diese Vergehen seit 1.1.2011 unter bestimmten Voraussetzungen Straffreiheit erreicht werden. Diese gibt es gewissermaßen für einen Zuschlag in Höhe von 10% des Nachforderungsbetrages zu kaufen.
Achtung: Das funktioniert nur, wenn der Nachforderungsbetrag für einen Veranlagungszeitrum insgesamt € 10.000,- und in Summe für alle geprüften Veranlagungszeiträume € 33.000,- nicht übersteigt und binnen Monatsfrist nach Festsetzung bezahlt wird. Der Verkürzungszuschlag ist wie eine Anonymverfügung zu sehen, womit es zu keiner Eintragung im Strafregister und auch nicht zu einer Vorstrafe kommt. Tipp: Seien Sie bei der Akzeptanz von künftigen Verkürzungszuschlägen nicht zu großzügig. Sie haben nur dann etwas davon, wenn die Nachzahlungen wirklich auch mit finanzstrafrechtlich bedenklichen Sachverhalten zu tun hat.

Neben dieser neuen Strafbefreiung für von der Finanz aufgedeckte Verfehlungen, war es ja auch schon bisher im Rahmen einer Selbstanzeige möglich, ohne jegliche Strafzuschläge seine Versäumnisse aus eigenen Stücken nachzuholen. Auch hier gibt es nun eine weitere Erleichterung, als dass nun bei jedem beliebigen (also auch beim nichtzuständigen) Finanzamt Strafanzeige eingebracht werden kann. Zudem erfolgte in diesem Bereich auch eine rechtliche Klarstellung für wiederholte Selbstanzeige bei einer ursprünglich unvollständigen Selbstanzeige. Die strafbefreienden Wirkung wurde in solchen Fällen bisher mitunter angezweifelt. Nun herrscht auch hier Rechtssicherheit. Allerdings mit einem Haken: Bei wiederholter Selbstanzeige für denselben Veranlagungszeitraum kommt es zu einem Zuschlag von 25%. Damit will der Gesetzgeber erreichen, dass bereits in der ersten Selbstanzeige alle Verfehlungen vollständig offengelegt werden.

RESÜMEE
Halten Sie 2011 engen Kontakt mit Ihrem MEDTAX-Steuerberater, es gibt viel Neues, wenn auch gesamtheitlich gesehen eher Unbedeutendes, aber im Einzelfall dennoch Wichtiges, zu berücksichtigen. Das wird sich noch mehr bei den im TEIL II noch zu präsentierenden Minuspunkten zeigen. Wenn die Neuerungen 2011 in Summe auch eher Belastungen und Lästigkeiten darstellen, unbedeutend und unsystematisch wirken, so haben wir für Sie im TEIL I dieser Artikelserie doch auch Erfreuliches und Sinnvolles aufspüren können. So zum Beispiel die seit langem geforderte Abschaffung der Kreditvertragsgebühren. Orientieren Sie sich an den Pluspunkten, die Ihnen etwas bringen, nützen Sie die aufgezeigten Tipps und konsultieren Sie bei Vorhaben und Zweifeln rechtzeitig Ihren MEDTAX-Steuerberater. So wird auch das Jahr 2011 aus steuerlicher und wirtschaftlicher Sicht für Sie wieder ein gutes Jahr.

 


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Dieser Beitrag wurde verfasst von

Team Jünger Steuerberater OG
Innsbruck