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Urlaubszeit ist Reisezeit

In den Sommermonaten stellt sich oft die Frage, ob eine geplante Reise unter Umständen steuerlich absetzbar sein könnte, und man dadurch vielleicht die Einkommensteuerbelastung etwas reduzieren kann.

Es fallen schließlich hohe Fahrtkosten, Nächtigungskosten und Verpflegungskosten an, die doch die Steuerbemessung ganz ordentlich reduzieren würden.
 
Grundsätzlich fallen aber leider alle privaten Urlaubsreisen, die meist mit dem Partner und/oder den Kindern unternommen werden, unter ein steuerliches Abzugsverbot. Andererseits sind Reisen, die dem ärztlichen Beruf zugute kommen, unter bestimmten Vorraussetzungen steuerlich „verwertbar“. Dazu müssen allerdings einige grundlegende  Bedingungen beachtet werden.
 
Die Generalklausel verlangte bisher, dass eine Reise nur dann steuerlich voll absetzbar ist, wenn sie fast ausschließlich beruflich veranlasst ist. Trifft diese Vorraussetzung zu sind neben den Teilnahmegebühren für Kongresse oder Seminare auch die Fahrtkosten (Flug, Bahn, PKW, Taxi etc.), die Nächtigungen (Hotel oder Pauschale bei Privatnächtigungen) sowie die Tagesdiäten für das jeweilige Land absetzbar. Ist eine
 
Wann ist aber eine Reise „fast ausschließlich beruflich“ veranlasst. Als Kriterium wird hier vor allem auf das Programm der Reise abgestellt, das spezifisch auf den Arzt zugeschnitten sein sollte, und für allgemeine Teile der Reise (Freizeitprogramm) nur soviel Platz lassen darf, wie im alltäglichen Leben neben der Arbeitszeit Platz für Freizeitaktivitäten besteht. Als Richtlinie kann von einem Arbeitstag mit acht Stunden und einer 5-Tages-Woche ausgegangen werden. Diese Zeiten sollten bei einer einwöchigen Reise in etwa  für die berufliche Veranlassung verwendet werden. Sollten die Ordinationsöffnungszeiten unter den 40 Stunden liegen könnte versucht werden auch ein weniger intensives berufliches Programm mit der Argumentation der geringeren wöchentlichen Arbeitszeit steuerlich „durchzubringen“.

Eine Gefährdung für die Absetzbarkeit der gesamten Reisekosten stellten bisher Vor- oder Nachreisezeiten zu einer beruflichen Reise dar. Wenn etwa nach einem 5-tägigen medizinischen Kongress in den U.S.A. eine Woche Badeurlaub in der Karibik angehängt wurde, war zwar selbstverständlich die Kongressgebühr absetzbar, aber nicht die Flug- oder die Nächtigungskosten. Das bedeutet, dass auch nicht die Flugkosten von Österreich in die U.S.A. und das Hotel in den U.S.A. abgesetzt werden konnten. Diese Kosten durften bisher auch nicht teilweise verwertet werden, da es in diesem Fall leider ein steuerliches Aufteilungsverbot gibt.

Jetzt gibt es aber bereits Rechtssprechungen, bei denen auch in solchen Fällen zumindest die dem beruflichen Teil der Reise zurechenbare Kosten absetzbar sein sollten. Der VwGH stellte bereits in einem Urteil klar, dass beruflich veranlasste Reisen dann steuerlich abgesetzt werden können, wenn sich die beruflich veranlassten Reiseabschnitte von den privat veranlassten klar und einwandfrei trennen lassen. Dann wären bei dem oben angeführten Fall zumindest die anteiligen Reisekosten des Fluges und die Hotelkosten in den U.S.A. steuerlich absetzbar. Hier bleibt aber abzuwarten wie in Einzelfällen von den Finanzbehörden entschieden wird, wenn diese Trennung nicht ganz eindeutig möglich ist. Es wäre wünschenswert, wenn es in diesem Bereich in Österreich bald eine eindeutige Regelung in diesem Bereich gibt.

Um den beruflichen Charakter einer Reise optimal dokumentieren zu können, empfiehlt es sich aber auf jeden Fall ein möglichst lückenloses Kurs- oder Kongressprogramm mit den dazugehörigen Teilnahmebestätigungen „mitgehen“ zu lassen. Dagegen stellen der Wochenskipass oder das Greenfee für die Golfrunde für die Finanz oft ein Indiz für eine private Veranlassung einer Reise dar und zerstören in der Regel die Möglichkeiten einer steuerlichen Geltendmachung.
 

Ein weiteres Problem stellt steuerlich gesehen die Mitnahme des Partners dar, da die Finanz in diesem Fall einen Anhaltspunkt für eine private Reise sieht. Hier ist schon die Rechnung über das Doppelzimmer meistens als „Disqualifikation“ für die steuerliche Anerkennung zu sehen. Sollte der Partner allerdings als Ordinationshilfe in der Ordination mitarbeiten, könnte durch Auswahl einer Reise, die auch Fortbildungsmöglichkeiten für die Ordinationshilfen beinhaltet, die Absetzbarkeit ermöglicht werden. Doch wird auch in diesen Fällen auf Freizeitaktivitäten geschaut, die bei Überwiegen die gesamte Reise zu Fall bringen können.

Die „perfekte steuerliche Reise“, wenn man so sagen kann, ist die Reise des Ärztepaars, die sowohl für sie als auch für ihn „ausreichende Fortbildungsmöglichkeiten“ beinhaltet. Durch das einschlägige Programm der meisten Kongresse wird dies aber nur dann möglich sein, wenn beide Ärzte dieselbe Fachrichtung haben. Eine leider nur sehr selten vorkommende Konstellation, die aber vielleicht im Anlassfall interessante Aspekte eröffnen könnte.

Es zeigt sich zwar, dass unter den erwähnten Gesichtspunkten nicht allzu viele Reisen in den Genuss einer nachträglichen steuerlichen Finanzierung fallen; allerdings sollte durch eine gute Planung zumindest versucht werden, berufliche Reisen, die kaum privaten Platz lassen, nicht zu gefährden.


 


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Dieser Beitrag wurde verfasst von

ECOVIS - Dr. Scholler & Partner Wirtschaftstreuhand
Wien - NÖ