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Was Zinsen an das Finanzamt derzeit kosten

Wenn man im Postkasten ein Schreiben des Finanzamtes oder Steuerberaters mit einer saftigen Nachzahlung vorfindet, ist dies schon unangenehm genug; als Draufgabe findet sich häufig zusätzlich ein eigener Posten für Zinsen an das Finanzamt. Wann kann Ihnen der Fiskus überhaupt zusätzliche Zinsen vorschreiben?

Anspruchszinsen bei der Steuerveranlagung

Der Satz für die sogenannten Anspruchszinsen beträgt seit dem 13.7.2011 2,88%, vorher waren es 2,38%. Bei den Anspruchszinsen, die ab dem 01.10. des jeweiligen Jahres verrechnet werden, handelt es sich um die Verzinsung von Einkommensteuernachzahlungen, die aus zu niedrigen Vorauszahlungsbescheiden resultieren. Wenn Sie allerdings eine zu hohe Vorauszahlung geleistet haben, erhalten Sie die Anspruchszinsen als Gutschrift auf dem Steuerkonto gutgeschrieben. Dabei wird die Verzinsung erst ab dem 01.10. des jeweiligen Jahres für das Vorjahr berechnet. Folglich zahlen Sie Anspruchszinsen für Einkommensteuernachzahlungen aus dem Jahr 2010 erst ab dem 01.10. 2011. Für die Zeit vom 01.01. bis 30.09. fallen folglich keine Anspruchszinsen an. Die Anspruchszinsen können Sie ganz einfach vermeiden, indem bei einer drohenden Nachzahlung bis 30.09. des Folgejahres eine ausreichende Akontozahlung geleistet wird. Die Anspruchszinsen werden erst ab einem Betrag von € 50,00 vorgeschrieben.

Die Anspruchszinsen, welche für eine Einkommensteuernachzahlung entrichtet werden, sind steuerlich nicht absetzbar. Sie können daher – abhängig von Ihren individuellen Bankkonditionen – leicht ausrechnen, ob der Bankkredit oder der „Finanzamtskredit“ günstiger kommt.

Säumniszuschläge

Wenn Sie eine vorgeschriebene Einkommensteuerzahlung, wobei es sich um eine Vorauszahlung oder auch Nachzahlung handeln kann, verspätet einzahlen, werden Ihnen automatisch 2% Säumniszuschlag vorgeschrieben. Bei Einzahlung mittels Erlagschein auf dem Postamt gilt das Datum laut Poststempel, für Banküberweisungen gibt es eine zusätzliche Frist von 3 Tagen, bis wann das Geld beim Finanzamt eingelangt sein muss. In die 3 Tage sind freilich Samstage, Sonntage, gesetzliche Feiertage, Karfreitag und der 24.12. nicht einzurechnen.

Wenn nicht innerhalb von 3 Monaten nach Fälligkeit gezahlt wird, wird ein weiterer 2. Säumniszuschlag in Höhe von 1% verhängt. Wenn weitere 3 Monate keine Zahlung erfolgt, wird ein 3. Säumniszuschlag mit noch einmal 1% verhängt. Weitere Zuschläge, wenn die Zahlung nach mehr als 6 Monaten erfolgt, sind allerdings nicht vorgesehen.

Das einzige Mittel gegen Säumniszuschläge ist, die vorgeschriebenen Abgaben rechtzeitig zu bezahlen oder zumindest einen Antrag auf Ratenzahlung (siehe unten) rechtzeitig zu stellen.

Stundungszinsen

Stundungszinsen sind die teuerste Variante: Sie betragen seit 1.7.2011 5,38%, davor 4,88%. Stundungszinsen fallen an, wenn Sie eine fällige Steuerzahlung nicht leisten können und beim Finanzamt einen Antrag auf Stundung oder – in den meisten Fällen – auf Ratenzahlung stellen. Dabei ist der Hinweis wichtig, dass der Antrag auf Ratenzahlung oder Stundung bei fällig gestellten Abgaben spätestens am Fälligkeitstag beim Finanzamt vorliegen muss, da andernfalls der 2%ige Säumniszuschlag automatisch verhängt wird.

Es besteht auch kein Rechtsanspruch auf Zuerkennung der Ratenzahlung; bestimmte Bedingungen müssen für die Zuerkennung der Ratenzahlung erfüllt sein:

-) Man muss schriftlich begründen, warum die sofortige Bezahlung eine erhebliche Härte darstellen würde (z.B. Krankheit, unerwartete Reparaturaufwendungen, Ausfall von Einnahmen, ...) und
-) die Einbringlichkeit der Steuerschuld darf nicht gefährdet sein (Hinweis auf erwartete Einnahmen aus laufender Praxis ...).

Die Aussetzungszinsen für Abgabenschulden

Die Aussetzungszinsen betragen seit 1.7.2011 2,88%, davor 2,38%. Aussetzungszinsen fallen an, wenn Sie gegen einen Ihnen zugegangenen Steuerbescheid Berufung eingelegt haben.
Gleichzeitig haben Sie die Möglichkeit, nicht den gesamten vorgeschriebenen Steuerbetrag zu entrichten, sondern nur jenen, von dem Sie der Ansicht sind, dass er korrekt ist. Für den beeinspruchten Mehrbetrag können Sie einen „Antrag auf Aussetzung der Einhebung“ stellen und diesen Differenzbetrag von vornherein nicht an das Finanzamt bezahlen.

Aussetzungszinsen sind eine im Vergleich zu Bankkrediten meist günstige Alternative, zumal bei einer erfolgreichen Berufung ohnehin keine Zinsen vorgeschrieben werden. Selbst wenn man das Verfahren nicht gewinnt, hat man dennoch – im Verhältnis zu einer Kontoüberziehung – damit eine günstige Finanzierungsmöglichkeit.

 


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Dieser Beitrag wurde verfasst von

Leonhart und Leonhart
Wien - NÖ