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Arbeitszimmer bei wissenschaftlich tätigem Arzt

Aufwendungen oder Ausgaben für ein im Wohnungsverband gelegenes Arbeitszimmer und dessen Einrichtung sowie für Einrichtungsgegenstände der Wohnung sind nur dann steuerlich abzugsfähig, wenn das Arbeitszimmer den »Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Tätigkeit des Steuerpflichtigen bildet«.

Bei Ärzten sind dabei jene im Wohnungsverband gelegenen Arbeitszimmer betroffen, die ausschließlich zu Studien- und Bürozwecken dienen. Soweit hingegen Behandlungsräume im Sinne einer (Not-) Ordination vorhanden sind, fallen diese nicht unter die genannte Einschränkung.


Arbeitszimmer zu Studien- und Verwaltungszwecken
Laut einem umfangreichen Erlass wird die steuerliche Absetzung von Kosten für Arbeitszimmer äußerst einschränkend gehandhabt. Unter Arbeitszimmer ist ein im Rahmen der Privatwohnung befindliches (häusliches) Zimmer zu verstehen. Ein Arbeitszimmer liegt im »Wohnungsverband«, wenn es sich in derselben Wohnung, im selben privaten Wohnhaus oder auf demselben Grundstück (Gartenhäuschen etc.) befindet. Als häusliches Arbeitszimmer gelten daher auch Räumlichkeiten in einem privaten Wohnhaus, die nur durch einen gesonderten Eingang, also nicht direkt von der privaten Wohnung aus, begehbar sind. Auf die tatsächliche Widmung der Räumlichkeiten wird nicht abgestellt.
Aufgrund der Rechtsprechung (VwGH Erkenntnis v. 27.5.1999, 98/15/0100) ist die Prüfung, ob ein Arbeitszimmer den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Tätigkeit darstellt, nur aus der Sicht jener Einkunftsquelle vorzunehmen, für die das Arbeitszimmer notwendig ist. Aufgrund dieser Rechtsprechung erfolgt eine Beurteilung nach dem typischen Berufsbild. Maßgebend ist, ob nach der Verkehrsauffassung ein häusliches Arbeitszimmer als Tätigkeitsmittelpunkt (Tätigkeitsschwerpunkt) für das jeweilige Berufsbild typisch ist.


An diesem Punkt entzündete sich ein Streit zwischen einem im Krankenhaus angestellten Primararzt und dem Finanzamt. Der Primar betätigte sich neben seiner Spitalstätigkeit in seinem Fach als wissenschaftlicher Vortragender und publizierte in Fachzeitschriften.


Strittig war der für das Arbeitszimmer getätigte Vorsteuerabzug, da die Vortrags- und Autorenhonorare umsatzsteuerpflichtig waren. Es ging also um die Frage, ob das Arbeitszimmer für die Vortrags- und Autorentätigkeit notwendig war. Als Begründung brachte der Primararzt vor, dass zur Erhaltung der wissenschaftlichen Fertigkeiten eine kontinuierliche Beschäftigung mit der Materie nötig sei. Da die Erarbeitung von wissenschaftlichen Publikationen und Vorträgen oft über Wochen an den Abenden, an Wochenenden und Feiertagen erfolge, müsse er Bücher und Fundstellen aufgeschlagen im Arbeitszimmer liegen lassen können. Auch könnte dies Tätigkeit nicht im Krankenhaus oder in der angemieteten Gemeinschaftsordination ausgeübt werden.


Das Finanzamt und der Unabhängige Finanzsenat (2. Instanz) beharrten auf der Auffassung, dass in diesem Fall keine Notwendigkeit eines Arbeitszimmers bestehe. „Schreiben“ könne man an jedem anderen Ort ebenso.
Das Höchstgericht (VwGH Erkenntnis v. 31.5.2011, 2008/15/0126) gab dem Arzt recht. Dass wissenschaftliches Arbeiten auch außerhalb des Arbeitszimmers möglich wäre, dürfe nicht schädlich sein. Es komme lediglich darauf an,  ob die Nutzung eines Arbeitszimmers für die betreffende Tätigkeit „unzweifelhaft sinnvoll“ ist. Dies wird u.a. dann der Fall sein, wenn dem Steuerpflichtigen außerhalb des Wohnungsverbandes kein zweckmässiger Arbeitsplatz für die konkrete Erwerbstätigkeit zur Verfügung steht.


Anders sieht es dagegen aus, wenn ein Arbeitszimmer in einer dafür extra angeschafften Wohnung vorliegt. In diesem Fall ist das strenge Kriterium des Mittelpunkts der gesamten betrieblichen oder beruflichen Tätigkeit nicht anzuwenden. Dass selbst in diesen Fällen die berufliche Notwendigkeit nachgewiesen werden muss, zeigt eine Entscheidung des UFS (20.7.2011, GZ RV/0438-G/08). Eine angestellte Assistenzprofessorin, die neben dieser unselbständigen Tätigkeit auch Einkünfte als selbständige Gutachterin, Vortragende und Schriftstellerin erzielte, hatte die Kosten für das ihrer privaten Wohnung gegenüberliegende Arbeitszimmer (eigene Wohnung) zunächst als Werbungskosten im Rahmen ihrer unselbständigen Tätigkeit geltend gemacht. Der UFS sah selbst bei einem außerhalb des Wohnungsverbands gelegenen Arbeitszimmer die berufliche Notwendigkeit als erforderliches Kriterium an, da eine Wohnung auch immer eine private Nutzungsmöglichkeit nahe legt. In Hinblick auf die zusätzliche selbständige Tätigkeit wurde im konkreten Fall der Abzug als Betriebsausgaben zugelassen. Das Kriterium der beruflichen Notwendigkeit darf nicht als absolutes Erfordernis gesehen werden, sondern ist bereits dann erfüllt wenn die getätigten Ausgaben für eine bestimmte Tätigkeit unzweifelhaft sinnvoll sind.


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Dieser Beitrag wurde verfasst von

Leonhart und Leonhart
Wien - NÖ