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RECHTZEITIG VOR FERIENBEGINN:

TIPPS UND INFOS ZUM FERIALJOB IHRES NACHWUCHSES

RECHTZEITIG VOR FERIENBEGINN:
TIPPS UND INFOS ZUM FERIALJOB IHRES NACHWUCHSES


Wer vorhat in den Ferien nicht nur zu ruhn, sondern auch etwas zu tun, ahnt oft gar nicht, was es dabei alles zu beachten gilt. Hier daher rechtzeitig vor dem nahenden Sommer die wichtigsten Informationen und Tipps zum Jobben.

Arbeitsrecht:
Primär ist es gut zu wissen, dass Ferialjob nicht gleich Ferialjob ist, sondern es davon 3 Gattungen gibt:

1. Echte Ferialpraktikanten: Das sind Schüler oder Studenten, die ein vorgeschriebenes oder übliches Praktikum absolvieren. Hier steht der Lern- und Ausbildungszweck im Vordergrund. Es besteht keine Arbeitspflicht und keine Bindung an Arbeitszeiten, Arbeitsort und Arbeitsanweisungen. Diese Spezies ist somit kein Arbeitnehmer im arbeitsrechtlichen Sinn und unterliegt daher nicht den arbeitsrechtlichen Gesetzen und Kollektivverträgen. Es gebührt keine Sonderzahlung und kein Urlaub. In der Regel gibt es nur ein Taschengeld, das frei vereinbart werden kann und üblicherweise unter dem Lohn eines normalen Arbeitnehmers liegt.

2. Ferialarbeitnehmer: Sicherlich der häufigste und üblichste Fall: Schüler und Studenten, die in den Ferien arbeiten, um etwas zu verdienen. Ferialarbeitnehmer sind immer in einem Dienstverhältnis tätig, da für sie die persönliche Abhängigkeit und Weisungsgebundenheit hinsichtlich Arbeitszeit, Arbeitsort und arbeitsbezogenes Verhalten gilt. Es besteht Anspruch auf zumindest kollektivvertragliche Entlohnung, anteiliges Weihnachts- und Urlaubsgeld (wenn der maßgebliche Kollektivvertrag das vorsieht), Urlaub bzw. geldmäßige Abfindung dafür und Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall.

3. Volontäre: Dies sind Personen (nicht nur Schüler oder Studenten), die sich ausschließlich zum Zweck der Erweiterung und Anwendung von Kenntnissen sowie zum Erwerb von Fertigkeiten für die Praxis ohne Arbeitspflicht und ohne Entgeltanspruch in Betrieben betätigen. Die Tätigkeit eines Volontärs ist durch Schul- oder Studienbestimmungen nicht vorgeschrieben und auch nicht allgemein üblich.

Familienbeihilfe
Zuerst die gute Nachricht: Bis zur Vollendung des 19. Lebensjahres kann man unbegrenzt dazuverdienen - die Familienbeihilfe wird in jedem Fall weiter ausbezahlt.
Danach kann es brenzlig werden. Für den Bezug der Familienbeihilfe darf das zu versteuernde Gesamteinkommen dann den Betrag von derzeit € 10.000,- pro Jahr nicht überschreiten.
Passiert dies doch, dann wird die Familienbeihilfe gekürzt. Ab einem Zuverdienst von 13.492,- Euro pro Jahr ist die Familienbeihilfe für das gesamte betreffende Kalenderjahr zur Gänze verloren. Achtung: Es erfolgt im Nachhinein eine Rückforderung durch das Finanzamt!

Die gute Nachricht dazu: Bestimmte Einkünfte bleiben dabei unschädlich und werden bei der Ermittlung obiger Einkommensgrenze nicht mitgerechnet. Dazu gehören z.B. Entschädigungen aus einem anerkannten Lehrverhältnis, Waisenpensionen und Waisenversorgungsgenüsse, Beihilfen nach dem Studienförderungs- und dem Schülerbeihilfengesetz, Arbeitslosengeld, Wochengeld, Kinderbetreuungsgeld etc.

Abgesehen von der Überschreitung obiger Einkommensgrenze kann es jedoch auch aus anderen Gründen zum Verlust der Familienbeihilfe kommen. So kommt es in der Praxis sehr häufig vor, dass die Familienbeihilfe deshalb verloren geht, weil verlangte Leistungsnachweise zur Ausbildung nicht rechtzeitig vorgelegt werden können. Für Studierende gilt z.B. dass der erste Studienabschnitt spätestens 1 Semester nach der vorgeschriebenen Mindeststudiendauer erfolgreich abgeschlossen sein muss. Zum Nachweis ist das erste Diplomprüfungszeugnis vorzulegen. Gelingt dies nicht, so ruht der Anspruch auf Familienbeihilfe bis zum tatsächlichen Abschluss des ersten Studienabschnittes. Ab dem Monat, in dem die letzte Prüfung des ersten Abschnittes abgelegt wird, steht erneut Familienbeihilfe zu. Für das erneute Aufleben der Familienbeihilfe gilt das Datum der letzten Prüfung und nicht etwa das spätere Ausstellungsdatum des Zeugnisses.

Nach den für den zweiten Studienabschnitt vorgesehenen Semestern zuzüglich eines Toleranzsemesters muss das zweite Diplomprüfungszeugnis für den weiteren Bezug der Familienbeihilfe z.B. für einen etwaigen 3. Studienabschnitt vorgelegt werden. Maximal kann die Familienbeihilfe bis zur Altersgrenze von 24 Jahren bzw. 25 Jahren bei Präsenz- oder Zivildienst, Schwangerschaft oder erheblicher Behinderung bezogen werden.   

Studienbeihilfe
Bis zu einem Höchstbetrag der Jahreseinkünfte von im Regelfall € 10.000,- hat ein Zuverdienst keine Auswirkungen auf die Studienbeihilfe. Wird dieser Höchstbetrag jedoch überschritten, dann ruht im jeweiligen Kalenderjahr der Anspruch auf Studienbeihilfe im Ausmaß der Überschreitung.

Steuer & Sozialversicherung
Steuerlich werden Ferialjober als ganz normale Arbeitnehmer behandelt. Somit muss der Dienstgeber vom Bruttolohn die Lohnsteuer einbehalten. Diese fällt in der Regel ab einem Monatsbrutto von rd. € 1.200,- an. Ein Lohnkonto muss geführt und ein Lohnzettel ausgestellt werden. Zudem ist jeder Dienstnehmer bei der Gebietskrankenkasse anzumelden. Volontäre sind demgegenüber bei der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt anzumelden. Bei einem Einkommen ab der Geringfügigkeitsgrenze (€ 405,98) ist man vollversichert.
Es fallen Pensions-, Kranken- und Unfallversicherungsbeiträge an, die vom Arbeitgeber einbehalten und abgeführt werden müssen. Bis zur Geringfügigkeitsgrenze ist lediglich die Unfallversicherung in Höhe von 1,4% zu berappen.


Tipps & Resümee

• Es ist wichtig, die Art des Ferialjobs klarzustellen. Besonders die Höhe der zustehenden Bezüge ist bei den verschiedenen Gattungen sehr unterschiedlich geregelt.

• Auch „Ferialjob-Gehaltsabrechnungen“ sollten von Ihrem MEDTAX-Steuerberater überprüft werden. Etwaige Fehlberechnungen – und solche kommen öfter vor, als man glauben möchte - können dann sofort beim jeweiligen Dienstgeber reklamiert werden.

• Es empfiehlt sich unbedingt eine Arbeitnehmerveranlagung beim Finanzamt.  Auch dies bringt in den meisten Fällen bares Geld aufgrund  möglicher Rückerstattungen. Ihre MEDTAX-Kanzlei ist Ihnen gerne dabei behilflich.

• Achtung vor dem Verlust der Kinderbeihilfe! Ab 19 Jahren führt ein  Jahreseinkommen von mehr als 10.000 € zum teilweisen oder gänzlichen Verlust der Familienbeihilfe. Ebenso kann es ab dieser Größenordnung auch zum teilweisen oder gänzlichen Verlust einer etwaigen Studienbeihilfe kommen.

• Besuchen Sie die Internet-Plattform www.watchlist-praktikum.at. Diese dient dazu, die Rechte von jungen Menschen in der Arbeitswelt durchzusetzen und Missbräuche einzudämmen. Das Interessante an dieser Plattform ist, dass aktuelle, aber auch ehemalige Praktikanten anonym über das Praktikum in einem Unternehmen berichten können. Die erhobenen Daten werden an die Gebietskrankenkassen weitergeleitet. Die genannten Unternehmen werden überprüft und müssen auch mit  Strafen rechnen.

• Vor allem aber lohnt es sich trotz aller Argumente für Ferialjobs den Ausbildungserfolg im Auge zu behalten. Gelingt es Studierenden z. B. nicht, den ersten Studienabschnitt innerhalb der dafür vorgesehenen Mindeststudiendauer zuzüglich eines Toleranzsemesters erfolgreich abzuschließen, so ist die Familienbeihilfe bis zum tatsächlichen Abschluss des ersten Studienabschnittes zur Gänze verloren. Unter diesem Aspekt kann es mitunter sinnvoller sein, die
Ferienzeit zur Vorbereitung eventuell noch fehlender Prüfungen zu nutzen und das „echte Arbeiten“ vorerst noch sein zu lassen.

 


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Dieser Beitrag wurde verfasst von

Team Jünger Steuerberater OG
Innsbruck