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Steuerreform 2016 fix beschlossen - was ist nun wirklich Sache ?

In den letzten Monaten sind viele Berichte und Spekulation zu den jüngsten Reformplänen, vor allem zum heißen Thema Kontenöffnung, durch die Medien gegangen. Inzwischen ist die Steuerreform fix beschlossene Sache. Lesen Sie hier, was nun wirklich auf Sie zukommen wird und wo Sie jetzt noch handeln können.

Der Tarif wird tatsächlich besser
Der angekündigte günstigere Tarif als Herzstück der Reform ist genau so gekommen, wie bereits berichtet (siehe Beitrag vom 23.4.2015). Im Ergebnis werden damit je nach Einkommen bei so manchem Steuerzahler einige hundert Euro bis knapp über 2.000,- Euro jährlich mehr in der Tasche bleiben.

Im Schaukasten finden Sie nochmals die neuen Steuersätze. Hinsichtlich der weiteren Details verweisen wir Sie den Beitrag vom 23.4.2015.

STEUERSÄTZE AB 2016
Neben den unteren Einkommensschichten profitieren auch Besserverdiener im Bereich zwischen 60.000 und 90.000 Euro Jahreseinkommen. Hier fällt der bisherige Spitzensteuersatz von 50% auf 48%.

bis    11.000    0 %
über 11.000 bis 18.000 25 %
über 18.000 bis 31.000 35 %
über 31.000 bis 60.000 42 %
über 60.000 bis 90.000 48 %
über 90.000 bis   1 Mio 50 %
über 1 Mio  55%

Kinderfreibetrag wird verdoppelt
Ein zusätzliches Plus gibt es für Familien mit Kindern. Hier kommt es zu einer Verdoppelung des Kinderfreibetrages von derzeit 220,- Euro auf künftig 440,- Euro pro Kind und Jahr.

Sonderausgaben werden gestrichen
Personenversicherungen sowie Kosten für die Schaffung und Sanierung von Wohnraum sind künftig nicht mehr steuerabzugsfähig. Für bestehende Verträge und solche, die jetzt noch vor dem 1. Jänner 2016 abgeschossen werden, gelten die bisherigen Steuerbegünstigung noch weitere 5 Jahre bis einschließlich 2020. Absetzposten für Wohnraumschaffung und -sanierung kommen bis dahin dann noch zum Ansatz, wenn der Baubeginn noch ins heurige Jahr fällt.
Verteuerung bei Immobilien
• Anhebung der Immobilienertragsteuer von 25% auf 30%
Wie angekündigt, werden Zugewinne aus der Veräußerung von Immobilien ab 2016 mit 30% (derzeit 25%) besteuert. Damit steigt auch bei sogenanntem Altvermögen (Erwerbe vor dem 1.4.2002) die bisher alternativ mögliche Pauschalsteuer vom Veräußerungserlöses von bisher 3,5% auf künftig 4,2%. Zudem ist der Inflationsanschlag von jährlich 2% ab einem Alter von 10 Jahren gefallen. Was bleibt ist die Befreiung für selbst erstellte Gebäude sowie für bestimmte Hauptwohnsitzkonstellationen.

• Neuregelung der Grunderwerbsteuer bei unentgeltlichen Erwerben
Aktuelle Regelung:
Bei Übertragungen innerhalb der Familie gelten derzeit 2% vom dreifache Einheitswert und außerhalb der Familie 3,5% vom Verkehrswert.

Neuregelung ab 2016:
Ab 2016 wird der Familienkreis nicht mehr begünstigt. Künftig erfolgt die Bemessung bei allen unentgeltlichen Übertragungen vom Grundstückswert. Dabei gilt folgender Staffelsatz:
  
  Bis zu 250.000,- Euro    0,5%,
  für die nächsten 150.000,- Euro   2   %  
  und ab 400.000,- Euro       3,5%.

Unentgeltliche Übertragungen zwischen denselben Personen innerhalb von fünf Jahren werden zusammengerechnet.

Beispiel:
Grundstückswert: 700.000, Einheitswert 70.000:
Steuer bisher:     4.200,- Euro
Steuer künftig:  14.750,- Euro  > Das ist ein Unterschied von über 10.000 Euro.

Tipp: Hier lohnt es sich zu erwägen anstehende Transaktionen vorzuziehen. Aber Achtung! Es gibt auch Konstellationen, bei denen die neue Rechtslage zu einem günstigeren Ergebnis führt.

Ganz neu im finalen Gesetz ist nun die Möglichkeit eröffnet worden, einen Antrag auf "Zahlungserleichterung" zu stellen. Danach kann die Grunderwerbsteuer gegen einen Zuschlag auf bis zu fünf Jahre verteilt bezahlt werden.

Beurteilung der Unentgeltlichkeit bei mit übernommene Schulden
Erwerbe innerhalb der Familie werden immer als unentgeltlich behandelt. Dasselbe gilt für Erwerbe von Todes wegen. Wie viel Schulden mit der Immobilie mit übernommen werden, spielt nur bei Schenkungen außerhalb des Familienbandes eine Rolle.
Hier gilt bei einer Belastung von bis zu 30% des Grundstückswertes Unentgeltlichkeit und ab 70% Entgeltlichkeit. Dazwischen ist aufzuteilen. D.h. betragen die anlässlich einer Immobilienschenkung mit übertragenen Schulden z.B. 50% des Grundstückswertes, so ist die Hälfte mit dem Stufentarif zu besteuern (unentgeltlicher Teil) und auf die andere Hälfte bemisst sich die Grunderwerbsteuer mit 3,5% der Gegenleistung (=übernommene Schulden = entgeltlicher Teil).

Tipp: Schalten Sie bei konkreten Vorhaben rechtzeitig Ihren MEDTAX-Steuerberater ein. Er kann für Sie hinsichtlich des Timings und aller steuerrelevanten Details sowie insbesondere auch bei der Ermittlung des relevanten Grundstückswertes die Optimalvariante erarbeiten.

Begünstigte Betriebsübertragungen
Hier wird der Freibetrag von bisher 365.000,- Euro auf 900.000,- Euro erhöht. Werden außerhalb des Familienverbandes Schulden mit übertragen, so steht der Freibetrag nur anteilig entsprechend dem unentgeltlichen Anteil zu. Nach Abzug dieses Freibetrages wird die Grunderwerbsteuer mittels obigem Stufentarif ermittelt. Maximal werden 0,5% des Grundstückswertes bemessen. Über einem Grundstückswert von 1.375.000 führt diese Deckelung damit zu einem günstigeren Ergebnis als die Anwendung des Stufentarifs.

• Gebäudeabschreibung
Für Wirtschaftsjahre, die ab dem 1.1.2016 beginnen, gilt für sämtliche Betriebsgebäude ein einheitlicher Satz in Höhe von 2,5%. Bestehende Gebäudeabschreibungen sind anzupassen. Davon ausgenommen sind Gebäude zu Wohnzwecken. Hier sind nun auch im betrieblichen Bereich, so wie bisher schon bei Vermietungseinkünften, nur 1,5% zulässig. Weiters sind Instandsetzungsaufwendungen, die bisher auf 10 Jahre zu verteilen waren, ab 2016 auf 15 Jahre aufzuteilen. Bei bereits laufenden Verteilungen sind die noch offenen Zehntel entsprechend anzupassen, so dass sich der Verteilungszeitraum insgesamt auf 15 Jahre verlängert. Dabei kommt es zwar zu einem Steuervorzieheffekt, aber am Ende des Tages kann der gesamte Aufwand von der Steuer abgesetzt werden. Anders dagegen die Neuregelung zur Ausscheidung des nicht absetzbaren Grundanteils. Konnte man diesen bisher ohne jegliche Nachweise mit 20% der Anschaffungskosten ansetzen, so muss man ab 2016 nun 40% als nichtabschreibbaren Grundanteil ausscheiden. Nur wenn die tatsächlichen Verhältnisse offenkundig erheblich davon abweichen, ist ein Abgehen von diesem Pauschalsatz möglich. Solche abweichende Verhältnisse sollen noch im Wege einer Verordnung vom Bundesministerium festgelegt werden.

Kapitalertragsteuer
Kapitalerträge, die ab 1.1.2016 zufließen werden mit 27,5% anstatt wie bisher mit 25% besteuert. Ausgenommen sind Bankguthaben und Sparbuchzinsen. Hier bleibt es bei der 25%igen Kapitalertragsteuer. Die Gesamtsteuerbelastung für ausgeschüttete Gewinne aus Kapitalgesellschaften steigt somit von bisher 43,75% auf nunmehr 45,625% an (25% Körperschaftsteuer auf den Gesamtgewinn und dann nochmals 27,5% auf den nach Abzug der Körperschaftsteuer verbleibenden Gewinn). Tipp: Sorgen Sie heuer noch für Ausschüttungen, was das Zeug hält.

Bankgeheimnis ade - es kommt noch schlimmer
Neben den bereits bekannten Vorhaben zum Thema Bankgeheimnis wurden nun zusätzliche Meldepflichten für Gelder aus der Schweiz und aus Lichtenstein beschlossen. Danach müssen die Banken nun rückwirkend auch bestimmte Kapitalzuflüsse aus der Schweizerischen Eidgenossenschaft und dem Fürstentum Lichtenstein melden. Meldepflichtig sind Kapitalzuflüsse aus diesen Ländern ab 50.000 die im Vorfeld der jeweiligen Steuerabkommen mit diesen beiden Ländern nach Österreich geflossen sind. In Bezug auf die Schweiz gilt das für Kapitalflüsse vom 1. Juli 2011 bis 31. Dezember 2012. Zahlungen aus Lichtenstein sind dann betroffen, wenn sie im Zeitraum 1. Jänner 2012 bis 31. Dezember 2013 erfolgt sind.  Damit will man nun die so genannten Abschleicher erwischen, die ihr Vermögen vor Inkrafttreten der betreffenden Steuerabkommen nach Österreich transferiert haben, um so der steuerlichen Erfassung ihrer Konten in der Schweiz oder in Lichtenstein zu entkommen. Falls Sie betroffen sind, haben Sie die Möglichkeit eine anonymen Einmalzahlung in Höhe von 38% der meldepflichtigen Vermögenswerte vorzunehmen. Dies funktioniert, idem Sie dem meldepflichtigen Kreditinstitut bis zum 31. März 2016 eine entsprechende unwiderrufliche Mitteilung machen und das Geld dafür dort zur Verfügung stellen. Das Kreditinstitut muss den korrespondierenden Betrag dann spätestens bis zum 30. September 2016 einbehalten und an das Finanzamt abführen. Sie erhalten darüber eine Bescheinigung und es tritt Abgeltungswirkung ein. Nicht abgegolten sind unterlassene Meldepflichten (Schenkungsmeldung, Meldung von Barmitteln bei Grenzübertritt) sowie Steuerschulden im Zusammenhang mit Geldwäscherei oder mitunter auch denn, wenn die Behörde bereits konkrete Hinweise auf nicht versteuerte Vermögenswerte hat.

Für Geldabflüsse von Österreichischen Konten über 50.000,- Euro bleibt es bei der Rückwirkung bis zum 1. März 2015. Besteht zwischen einzelnen Transaktionen eine Verbindung, so werden diese in Hinblick auf die 50.000-Euro-Grenze zusammengerechnet. Abflüsse von Geschäftskonten müssen nicht gemeldet werden.

Ebenso ist auch die grundsätzliche Meldepflicht der Banken an ein zentrales Kontenregister geblieben. Verbesserungen hat es zu guter Letzt doch noch zum Thema Abfrage von Kontendaten und zur Kontenöffnung  gegeben. So ist die Abfragen von im Kontenregister gelisteten äußeren Kontendaten (nicht die Beträge oder Kontenbewegungen) nur dann zulässig, wenn die Finanzbehörde Bedenken hinsichtlich der Richtigkeit der Steuererklärung hat und dem Steuerpflichtigen vorher Gelegenheit zur Stellungnahme gegeben hat. Der Steuerpflichtige ist darüber zu informieren und der gesamte Vorgang von einem Rechtschutzbeauftragten zu kontrollieren. Desweiteren darf eine Kontenöffnung (Kontenstand, Kontenbewegungen) nur auf Grund eines vom Bundesfinanzgericht genehmigten Auskunftsverlangen erfolgen.
Registrierkassenpflicht noch verschärft. Dazu kommt es ab einem Jahresumsatz von 15.000 Euro, wenn die Barumsätze 7.500,- Euro p.a. übersteigen. Zu den Barumsätzen zählten auch Zahlungen mit Bankomat oder Kreditkarte. Gegenüber dem Begutachtungsentwurf wurde nun das Wörtchen "überwiegend" gestrichten. Damit tritt die Registrierkassenpflicht bei Überschreiten obiger Grenzen nun auch dann ein, wenn der Anteil der Barumsätze gemessen an den Gesamtumsätzen nur gering ist. Weitere Details finden Sie im Beitrag vom 26.8.2015.

Barzahlungen für Bauleistungen sind nur noch bis 500,- Euro steuerlich absetzbar.

Lockerungen bei der geplanten Umsatzsteuererhöhung
Für Studenten-, Lehrlings- und Schülerheime bleibt der Steuersatz von 10% bestehen. Auch das Frühstück im Zuge einer Beherbergungsleistung kann weiterhin mit 10% Umsatzsteuer angesetzt werden. Die ansonsten durchgezogene Umsatzsteuererhöhung von 10 auf 13 Prozent für Tourismusbetriebe sowie Theater- und Musikaufführungen wird auf den 1. Mai 2016 verschoben. Zudem können solche  Leistungen bzw. Aufführungen bis zum 31. Dezember 2017 noch mit 10 Prozent konsumiert werden, wenn die Buchung noch vor dem ersten September 2015 erfolgt und bis dahin auch bezahlt oder wenigstens angezahlt wird.

Tipp: Frühbucher können auch die Festspielzeit 2016 und 2017 noch mit dem ermäßigten Steuersatz genießen.
Zuzugsbegünstigung für Wissenschaftler und Forscher
Bei Zuzug nach Österreich können befristet auf 5 Jahre 30% der steuerpflichtigen Einkünften aus wissenschaftlicher Tätigkeit steuerfrei bleiben.


Tipp: Achtung Südtiroler: In Italien gibt es für Heimkehrer, die im Ausland ein Studium abgeschlossen haben, bereits derzeit schon eine sehr lukrative Regelung in diese Richtung.

Mitarbeiter
• Rabatte an Mitarbeiter
Mitarbeiterrabatte bleiben steuerfrei, wenn diese im Einzelfall 20% nicht überstiegen oder wen sie insgesamt maximal 1.000,- Euro p.a. erreichen.

• Streichung des Bildungsfreibetrages
Die Fortbildung von Mitarbeitern wurde bisher mit einem Freibetrag in Höhe von 20% der entsprechenden Aufwendungen oder wahlweise mit einer 6%igen Prämie gefördert. Diese Begünstigung gibt es nun letztmalig für das Jahr 2015.
Tipp: Stehen 2016 Fortbildungsmaßnahmen an, so könnten diese noch ins Jahr 2015 vorgezogen werden.

Elektroautos stark steuerbegünstigt:
Elektroautos können Dienstnehmern in den kommenden 5 Jahren auf Betriebskosten steuerfrei zur Verfügung gestellt werden. Für Dienstfahrzeuge mit den herkömmlichen Abgasen wird es demgegenüber zu einer Erhöhung des steuerpflichtigen Sachbezugswertes von bisher 1,5% der Anschaffungskosten auf 2 % der Anschaffungskosten bis zu 960 Euro pro Monat kommen. Bei einem Ausstoß von bis zu 130g/km bleibt es bei den 1,5%. Der für den günstigeren Satz maßgebliche Emmissionswert verringert sich von 2017 bis 2020 um 3g pro Jahr.

Für Elektroautos darf zudem ein Vorsteuerabzug geltend gemacht werden, insoweit die Anschaffungskosten 40.000,- Euro nicht übersteigen. Bis 80.000,- Euro stehen die Vorsteuern anteilig zu. Bei der Anschaffung von Fahrzeugen jenseits dieser Grenze (z.B. Tesla) kann keine Vorsteuer mehr lukriert werden.


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Dieser Beitrag wurde verfasst von

Team Jünger Steuerberater OG
Innsbruck